Main-Post
Würzburg, 8. November 2004

Frag-würdig: Verwaltung ist besser als ihr Ruf

Interview mit Eren Basar

würzburg Ein gutes Jahr war Eren Basar als Fraktionsgeschäftsführer der FDP "Mädchen für alles": Vor- und Nachbereitung der Sitzungen, Büro-Leitung mit Sprechstunden, Korrespondenz mit dem Stadtdirektorium und Behörden sowie auch die Pressearbeit. Die Redaktion sprach mit dem 27-Jährigen, mittlerweile Rechtsreferendar am Landgericht über seine Erfahrungen im Rathaus.

frage: Als Stadtratskandidat der FDP hatten Sie als einer der jungen Kandidaten der Verwaltung vorgehalten, sie sei zu langsam und unbeweglich. Hat sich ihr Eindruck bestätigt?
eren basar: So pauschal kann ich das nicht mehr sagen. Ich habe im Gegenteil die Erfahrung gemacht, dass viele Angestellte sehr zuverlässig arbeiten und immer wieder versuchen, auch flexible Lösungen zu finden. Es herrscht umgekehrt in der Bevölkerung dabei nicht viel Verständnis für die Angestellten, die auch aufgrund des nicht genehmigten Haushaltes kaum noch Spielräume haben. Man kann daher schon sagen: Die Verwaltung ist viel besser als ihr Ruf.

Also alles in Ordnung?
basar: Nicht gänzlich, denn dieser Eindruck gilt leider nicht für die ganze Verwaltung. Gerade die Führungsebene bestätigt die Vorurteile. Bis das Büro der Fraktion ausgestattet war, sind gut drei Monate ins Land gegangen. Als Geschäftsführer war es schon frustrierend, einfach nur zu warten, dass endlich der Telefonanschluss freigeschaltet wurde, oder wir Tisch und Stühle bekamen.

Das betrifft nur ihre Arbeit. Für wie agil halten Sie als Jungpolitiker die Verwaltung in Fragen der Stadtentwicklung?
basar: Bei den Verhandlungen über die Arcaden zum Beispiel hat man den Eindruck, dass die Stadtführung nicht viel im Griff hat. Außerdem liegt weder das vor einem Jahr beschlossene Werthaltigkeitsgutachten der Stadtbau vor (es sollte die Auswirkungen eines möglichen Teilverkauf der Wohnungen zeigen) noch ein Konzept für den Kulturspeicher. Und unter dem "Fuhrparkmanagement" wurde nur zusammengefasst, was jeder gesunder Menschenverstand hervorbringen würde.

as Gespräch führte andreas jungbaue